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SUMMER IN BERLIN

This day´s an invitation and it's just for you
You've got a reservation for the 17th of june

"Dieser Tag ist eine Einladung, die speziell an Dich gerichtet ist. 
Der 17. Juni ist für Dich bereit."
(...eine Einladung zu einem schönen Tag. Der "17. Juni" ist eine breite Allee, die sich durch den Tiergarten, einen schönen Park im Herzen Berlins zieht. Ihr Name erinnert an den Arbeiteraufstand von 1953 im Ostteil der Stadt, der in einem Blutbad endete. Die Straße führt in gerader Linie auf das Brandenburger Tor zu und endete dort vor der Mauer, dem "Eisernen Vorhang", der bis Ende der 80er Jahre die Stadt in einen kapitalistischen Westteil und einen kommunistischen Ostteil zerschnitt. Diese Stelle war ein weltberühmtes Wahrzeichen für die gewaltsame ideologische Teilung Europas. Hier standen sich rund 10 Jahre nach der Revolte von ´53 die Panzer der Russen und Amerikaner zu Beginn des Mauerbaus gegenüber. Die Erwähnung des "17. Juni" schließt damit mehrere Aspekte ein: wir befinden uns im Westteil Berlins. Die Allee assoziiert kalaidoskopisch Begriffe wie "Park", "Freizeit", "Vergnügen" aber gleichzeitig "Kampf", "Wut", "Tod" und "Blut". Über allem steht das Datum selbst: 17. Juni= Sommer. So ergibt sich ein für das damalige Berlin typisches Bild der Widersprüche, einzig und allein durch die Erwähnung des Umstandes, daß man auf "den 17. Juni eingeladen" wird. Diese Widersprüchlichkeit wird im Text als Faktum hingenommen. Nirgendwo findet sich ein Kommentar oder eine Bewertung dieser Situation, kein weltanschauliches Pro oder Contra. Alphavilles Berlin ist nichts weiter als die bizarre Kulisse für einen verträumten Sommertag. Ein Tag, der seicht dahinplätschern, der aber, bei näherer Überlegung, auch jederzeit explodieren kann. Damit ist das "Setting" für den ganzen Song schon ab der
zweiten Zeile angedeutet.)

Open your eyes and let the sun break in for a while
There may be something that you've never seen inside

"Öffne deine Augen und laß die Sonne für eine Weile in dich strömen 
Vielleicht nimmst Du etwas an Dir wahr, das Du nie zuvor bemerkt hast." 
(...Die Sonne, die normalerweise für das Erkennen des "Aussen" zuständig ist, erfährt hier eine fast absurde Transformierung für die innere Schau. In Berlin scheint selbst das Licht anders zu funktionieren.)

Feel how your heart beats like a heavy machine
The sound of the traffic is like a silent dream
The dust in the park, the exhaust from the cars ascends in that heated
afternoon, you touch a sweaty body

"Fühl den schweren Schlag deines Herzens 
Der Verkehrslärm zieht wie ein stummer Traum an Dir vorbei
Der Staub im Park und die Abgase der Autos durchziehen diesen aufgeheizten
Nachmittag. Du berührst einen verschwitzten Körper."
(...Wir bleiben weiter im Bild. Alles scheint wie aus einem tiefen, abgeschiedenen Innen wahrgenommen, Sinneseindrücke verwandeln sich rauschhaft, aus Hören wird stilles Sehen, selbst häßliche Dinge wie Staub,
Lärm und Abgase steigern trancehaft die heiße, sommerliche Stimmung, darin eine Berührung, die Nähe eines warmen, feuchten Körpers.

Summer in Berlin, it's alright
The day feels so tired from the lead in the air and the fire in the sky
Life seemed to be a fault of grace but it's okay
It gave you a kiss in the middle of the crossroads

"Sommer in Berlin ist ganz OK.
Der Tag fühlt sich träge an mit der bleiernden Luft und dem Feuer am Himmel
Leben wirkte wie verkrüppelte Anmut, aber das geht in Ordnung
Es küßte Dich mitten auf der Kreuzung
(...Der "Sommer in Berlin" wird nicht euphorisch bejubelt, er ist "ganz ok." mit all seinen seltsamen Ingredienzien, eine Haltung, die eine gewisse Relaxtheit vermittelt. Die Schönheit des Lebens kann in einer kaputten Metropole wie Berlin nur verzerrt wahrgenommen werden, aber wenn es gut läuft, belohnt es einen dann und wann im Chaos des Straßenverkehrs, sozusagen im Brennpunkt des Geschehens, mit einem "Kuß", mit diesem elektrisierenden Gefühl, an einem besonderen Ort, an einem besonderen Abschnitt seines Lebens zu stehen.)

Summer in Berlin, it's alright
The heat of the sun which is stored in the pavement feels so fine
Here stands the innocent and there it comes oh so wild
That's when you're longing for a summer by the wall

"Sommer in Berlin ist ganz OK.
Die aufgespeicherte Sonnenhitze im Straßenpflaster fühlt sich gut an
Da stehst du in all deiner Unschuld und dann überrollt es dich (das Gefühl?)
und du sehnst du dich nach einem Sommer an der Mauer."
(...hier wird wohl nochmals das überwältigende Gefühl dieses "Kusses" beschrieben und nochmals wird es "verdrahtet" mit den absurden Gegebenheiten Berlins, dessen Bewohner einst im Schatten einer tödlichen Mauer neben Stacheldraht und Minenfeldern ihre Sommertage verbrachten.

(Dr. phil. Werner Schäfer 1993)

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"We always get our themes from our momentary feelings towards life, and
these are naturally influenced by external social and political factors.
These are always mixed in with personal experience. "Summer in Berlin" is a
declaration of love to a city surrounded by a deadly wall. That is a
fascinating, contradictory subject, but that´s what made writing this song
attractive. We didn't think about it's political dimension until we found
out that it had been banned in the communist East."
(Marian Gold 2000)

FAT-Übersetzung:
Wir bekommen unsere Themen aus unserem momentanen Leben und den damit verbundenen Gefühlen und dies
wird natürlich beeinflußt von äußeren sozialen und politischen Faktoren.
Dies alles vermischt sich mit unserer persönlichen Erfahrung. "Summer in Berlin" ist eine
Liebeserklärung an eine Stadt die von einer todbringenden Mauer umgeben ist. Dies ist ein
faszinierendes, wiedersprüchliches Thema, und genau deswegen war es attraktiv darüber einen Song zu
schreiben. Wir haben uns keine Gedanken über die politische Dimension gemacht bis wir herausfanden,
dass der Song im Osten verboten war.